Vorberg Briefing digitale und innovative Medizin 9/22

Vorberg Briefing digitale und innovative Medizin 9/22

Liebe Freunde der innovativen und digitalen Medizin,

die aktuelle Stimmung und die Situation der digitalen und innovativen Medizin in Deutschland ist kritisch. Kaum merklich haben sich Regulationsstau (vielleicht auch “-Gau”), Regierungswechsel, Post-Corona-Depression und Wirtschaftslage zu einem gefährlichen Mix für alle Beteiligten an der Entwicklung der modernen Medizin zusammengebraut. Die Hintergründe lassen sich so zusammenfassen:

  • MDR, DiGA und DiPA haben inzwischen alle konservativen Regelreiter, Skeptiker, Intriganten und Opportunisten auf den Plan gerufen, die das System zu bieten hat. Die Innovatoren sind hier förmlich abgeprallt. 
  • Das erst Fünkchen von Hoffnung, dass die Ärzte sich dank Corona nun doch mit Digitalisierung und Fernbehandlung auseinandersetzen ist durch die immer komplizierteren Anforderungen und technischen Rahmenbedingungen im Keim erstickt worden.
  • Der gute und weltweit anerkannte Vorstoß des Gesundheitsministers Spahn in der digitalen Medizin ist durch den unbändigen Lobbyismus der Branche und durch einen neuen Gesundheitsminister vollständig zum stehen gekommen. 
  • Das durch Corona befeuerte Strohfeuer für einen kleinen Teil der Medizin hat alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen und dank nachfolgender schlechter Wirtschaftslage die Innovation unter sich begraben.
  • Die zwischen Bestandswahrung und maulender Panik schwankende Selbstverwaltung blockiert borniert und unwissend jede notwendige Veränderung.

Dies ist weder die Zeit um den Kopf in den Sand zu stecken, noch um die Hände in den Schoß zu legen. Jetzt sind wieder schlaue Köpfe und starke Bewegungen gefragt. Zeit für einen Turnaround. Hierfür sollten auch Tabus gebrochen und wieder disruptive Töne angeschlagen werden. Vor diesem Hintergrund bewegen uns die folgenden Themen:

  • Freiberuflichkeit und Ökonomisierung der ambulanten Systeme
  • Gesundheitskiosk
  • Medizinische Datenwelt

 

Thema: Freiberuflichkeit und Ökonomisierung der ambulanten Systeme

Die Selbstverwaltung stellt sich als großes Hemmnis für innovative Entwicklungen heraus. Außerdem ist Investoren die Beteiligung an ambulanten Systemen bisher auf Grund der Freiberuflichkeit der Ärzte unmöglich. Diese zwei Faktoren befördern das deutsche Gesundheitssystem immer weiter ins Abseits. Bisher war es ein großes Tabu, die Freiberuflichkeit der deutschen Ärzteschaft in Frage zu stellen. Hier meine letzten LinkedIn Kommentare zu diesem Thema:

Die Selbstverwaltung stellt sich als großes Hemmnis für innovative Entwicklungen heraus. Außerdem ist Investoren die Beteiligung an ambulanten Systemen bisher auf Grund der Freiberuflichkeit der Ärzte unmöglich. Diese zwei Faktoren befördern das deutsche Gesundheitssystem immer weiter ins Abseits. Bisher war es ein großes Tabu, die Freiberuflichkeit der deutschen Ärzteschaft in Frage zu stellen. Hier meine letzten LinkedIn Kommentare zu diesem Thema:

 

“Wir müssen das Tabu brechen und über den Arzt als freien Beruf diskutieren. Die Digitalisierung, die Kollektivierung und die Innovation der modernen Medizin können nicht mehr auf den alten Dogmen der Freiberuflichkeit aufgebaut werden. Es bedarf nun einer offenen und gerne auch kritischen Diskussion über die Ökonomisierung der ambulanten Systeme. Die Selbstverwaltung und die Standesvertretungen sind in dieser Diskussion befangen und stellen keine wesentliche Urteilsbasis dar. “
Link

 

“Digitalisierung und Innovationen in der Medizin brauchen mutige Investoren. Die Last der rasanten Entwicklungen – insbesondere in der digitalen Technologie – können freiberuflich organisierte Berufsstände alleine nicht mehr stemmen. Hier ist mit der Anschaffung eines Konnektors die Grenze der Belastbarkeit und Komplexität bereits erreicht. Dennoch sind diese Technologien auf eine unmittelbare Verknüpfung, auch zur ambulanten Ärzteschaft, angewiesen…“
…mehr im Link.

 

“Startups und gewerbliche Unternehmen haben häufig Interesse daran, auch ambulante privatärztliche Leistungen über Kapitalgesellschaften anzubieten. Derzeit herrscht die von den Ärztekammern geschürte Auffassung vor, dass eine gewerbliche Gesellschaft keine Ärzte anstellen darf, um hierüber ambulante Leistungen zu erbringen. Die entsprechenden Unternehmen lösen diese Hürde heute häufig über die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten oder auch mit der Gründung einer Privatklinik, um das vermeintliche Anstellungsverbot zu umgehen. 
Weitgehend unbekannt ist, dass bereits Anfang der 90er Jahre der BGH (Urt. v. 25.11.1993) entschieden hat, dass….”

…mehr im Link.

 

Weiter Hintergründe und Informationen unter den folgenden Links:

Podcast Sebastian Vorberg / Philip Kopf:
Investoren und innovative Medizin, wie geht das?

Blogbeitrag:
Freiberuflichkeit vs. Ökonomisierung der ambulanten Systeme

Whitepaper:
Heilkundegesellschaft – Ambulante Heilkunde als gewerbliche Leistung

Thema: Gesundheitskiosk

Etwas überrascht hat Gesundheitsminister Lauterbach mit seiner Ankündigung 1000 Gesundheitskiosks in Deutschland nach dem Hamburger Vorbild zu etablieren. Ein näherer Blick in das Hamburger Vorbild zeigt, dass es sich um analoge Anlaufstellen ohne ärztliche Kompetenzausstattung handelt. Da geht doch noch etwas mehr. Hier mein LinkedIn Kommentar:

 

“Derzeit wird über den Einsatz von #Gesundheitskiosk nach dem Vorbild aus Hamburg diskutiert. Das ist eine tolle patientennahe Aktion und mit viel Engagement umgesetzt. Dennoch erscheint das Modell für die heutige Zeit und vor allem für die #Zukunft sehr analog. Um diese Diskussion aktuell und wegweisend zu führen, darf hier #digitalhealth nicht fehlen. Aus der digitalen Sicht müsste ein solcher Kiosk vornehmlich digital und damit von überall und zu jeder Zeit zugänglich sein. Für alle Begegnungen und Notwendigkeiten, die digital nicht gefragt, nicht gewollt oder nicht möglich sind, kann dann der physische Kiosk einsteigen. Im Kiosk müssen dann die Möglichkeiten von #Fernbehandlung und digitalen Helfern voll ausgeschöpft werden, um eine möglichst umfassende Versorgung durch dieses Tool zu erreichen.”
Link

 

Thema: Medizinische Datenwelt

Es ist an der Zeit, dem Thema “Datenschutz einen neuen Namen zu geben. Wir haben uns in unseren Unternehmungen auf den Titel “medizinische Datenwelt” geeinigt, bleiben hier aber flexibel. Wie die aktuellen Diskussionen zeigen, ist Deutschland hier gerade dabei, die kostbaren Möglichkeiten von Medizin und Forschung in der medizinischen Datenwelt gründlich zu verbocken. In vollem intellektuellen Bewusstsein, dass wir mit Daten Leben retten, schaffen es die Verantwortlichen und auch die deutsche Datenkultur nicht, den Weg für die Nutzung von medizinischen Daten freizugeben oder auch nur zu fördern. Hier geht es zu dem Blog-Artikel zu diesem Thema:
Link.

Auch wenn es nicht jeder so versteht, befindet sich Deutschland in einer medizinischen Innovationskrise, die uns im weltweiten Vergleich wieder an den Schluss der Statistiken und damit auch der diesbezüglichen Wertschöpfung spülen wird. Auch wenn es sich so anfühlt, als hätten wir bereits ein paar Bäume ausgerissen, stehen wir noch ganz am Anfang und gerade jetzt ist jede Hand gefragt, um den Karren aus dem selbstherrlichen Dreck zu ziehen. Die gefragten Tugenden sind Mut und Engagement. Los geht es…… wir stehen jederzeit zu Ihrer Verfügung – einfach machen.

 

Und das sind unserer Leistungen für Sie auf einen Blick:

  

 

Wir freuen uns auf Sie!
Viele innovative Grüße 

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Sebastian Vorberg, LL.M. (Houston)